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   Autor  Thema: FanFics  (Gelesen 2520 mal)
A Dragon
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Beiträge: 637
Re: FanFics
« Antworten #45 am: 12.08.03 um 18:11:14 »
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Das nächste, woran ich mich erinnerte, war das besorgte Gesicht meiner Mutter, als ich die Augen öffnete. Und der Schmerz. Ich wollte mich aufrichten. Aber es gelang mir nicht. Ich versuchte zu sprechen... aber die Bewegung meiner Lippen schmerzte. Ich schloss wieder die Augen. Und selbst das schmerzte. Einzig die Hand meiner Mutter, die ich auf der Brust spürte, hatte etwas angenehmes an sich. Sie nahm mir die Schmerzen.  
Schmerzen... alles, was ich zu diesem Zeitpunkt noch hatte... alles, was mich noch erinnerte, am Leben zu sein... und sie nahm sie mir. „LASS ES!“ schrie ich mit aller Kraft, mit all dem Hass, den ich all die Jahre meinte, nicht in mir zu tragen. Erst als ich das entsetzte Gesicht meiner Mutter wahrnahm, bemerkte ich, dass ich aufrecht im Bett sass. Und bemerkte den Schmerz wieder. Mit einem Lächeln sank ich wieder ins Bett.  
Das nächste Mal als ich erwachte – waren es Stunden, Tage oder Wochen - ich weiss es nicht – war die Luft heiss. Feucht. Roch nach Kräutern. Ich versuchte, mich aufzurichten. Es schmerzte. Ich lächelte. Und auch dieses Lächeln schmerzte. Aber es tat gut. Schliesslich war ich am Leben. Meine Mutter blickte mich mit einem trostvollen Lächeln an. Ernesto erkannte ich nur aus den Augenwinkeln. Ich bewegte die Lippen, formte Worte. – „Streng Dich nicht an. Es ist erst wenige Tage her, dass dich Golgari endgültig wieder freigegeben hat. Spar Dir die Kraft lieber.“. Es tat gut, Ernestos Worte zu hören. Auch wenn ich die Wärme vermisste, die sonst in seiner Stimme lag. Aber es machte mir nichts. Ich liess mich also wieder sinken. Schloss wieder die Augen.  
„Wann?“ keuchte ich irgendwann. Ob es nun Herzschläge oder Stunden später waren, ich weiss es nicht. Ein „3 Wochen, 4 Tage“ war das einzige, was ich Ernesto... nein, Vater... sagen hörte. Ich öffnete die Augen. – „Warum hast Du mir nie von dir und di Tessilamajes erzählt?.“ Meine Kehle schmerzte, als ich schlucken musste. „Es wäre doch alles soviel einfacher gewesen. Warum warst du nicht ehrlich zu mir? Und das mit dieser di Cayano hätten wir auch in den Griff gekriegt.“ Er starrte mich an. Teils vorwurfsvoll, teils voller Sorge. Wieder stieg der Hass in mir auf. „Erne... Vater...“ Er wandte sich ab. Ich hatte ihn verraten. Weil ich nicht das Vertrauen in ihn hatte, dass er verdient hätte. Weil ich nicht ehrlich war. Weil ich es nicht für nötig befunden hatte.  
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A Dragon
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Re: FanFics
« Antworten #46 am: 12.08.03 um 18:12:23 »
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Kurz nachdem ich wieder die Augen schloss, hörte ich ihn aus dem Raum gehen. Ihn, dem ich vertraute wie keinem anderen Menschen. Ihn, der mir mehr Vertrauen schenkte, als jedem anderen Menschen. Der mich noch über die Zwölfe stellte. Aber die Zwölfe... Wo waren sie schon, als ich sie brauchte... Abermals drohten mir die Sinne zu schwinden. Aber ich kämpfte dagegen an, richtete mich auf. Versuchte, aufzustehen. Und stürzte. Fühlte wieder den Schmerz in meinen Gliedern. Und wieder fühlte es sich gut an. Ich war am Leben.  
Leben... der Schmerz schwand bei diesem Gedanken. Ich musste mich übergeben.  
Mutter stürzte herein, der Lärm hatte sie wohl alarmiert. Sie eilte zu mir, richtete mich auf, führte mich wieder zum Bett. Ich liess es mit mir geschehen, blickte dabei an mir herab. Mein Körper schien, trotz aller Schmerzen, unversehrt. Einzig der Verband am linken Bein liess darauf schliessen, dass mir irgendetwas wiederfahren ist. Ich riss ihn ab. Das einzige, was zu sehen war, war eine etwa eineinhalb Spann lange Narbe das Knie entlang, breiter und hässlicher zur Mitte hin, feiner werdend zu den Enden. Ganz so, wie ich es schon häufiger bei Verletzten, die Mutter mittels ihrer Kraft behandelte, beobachtete. Mutter blickte zuversichtlich „Keine Sorge, ich werde es hinebekommen. Du wirst bald wieder Laufen können. Ohne dabei Schmerzen zu haben.“ Ich blickte sie an. Ich fühlte in diesem Moment nichts. Ich bemerkte lediglich, wie der Hass in mir aufstieg. Aber es war mir egal. Sie wollte mich aufmuntern. Aber sie wusste nicht, dass sie mir alles nehmen würde. Den Schmerz. Das Leben. Die Wahrheit. Die einzige Wahrheit, die mein Leben noch hatte: Schmerz. Und sie wollte sie mir nehmen.  
Sie hielt diesem Blick nicht lange stand. Ihr Augen weiteten sich, ihr Gesicht wurde bleicher. Schliesslich wandte sie sich ab. Verliess den Raum. Mein Bein schmerzte mehr als zuvor. Aber es machte mir nichts. Im Gegenteil. Ich fühlte, dass ich lebte. Und übergab mich abermals.  
 
Vater – er war nur noch mein Vater für mich, nicht mehr Ernesto – betrat den Raum. Blickte mich einfach nur an. Ich erwiderte seinen Blick nicht einmal, schämte mich. Aber eigentlich war es mir egal.  
Er schwieg lange, bevor er zu sprechen ansetzte. „Nastassya...ich kann nachvollziehen wie dir zumute ist.“ – „Ach. Kannst du das?“ wieder spürte ich den Hass in mir. Und wieder war er mir egal. „Ich habe Dich betrogen. Und wurde dafür betrogen. Was weißt du also schon?“ – „Nichts. Aber zählt das? Wir kriegen das wieder hin. Mutter wird dafür sorgen, dass du wieder laufen kannst, und was die Akademie betrifft...“ – „Wozu? Macht es Sinn?“ – „Nein. Aber was willst du sonst machen? Dich umbringen?“ Er lächelte wohlwollend, versuchte mich mit dieser Bemerkung, so zynisch sie auch war, ein wenig aufzuheitern. Und bemerkte dabei zu spät, wie ich ihm den Dolch an seinem Gürtel entriss und ihn mir ins Herz rammte...  
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A Dragon
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Re: FanFics
« Antworten #47 am: 12.08.03 um 18:13:40 »
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Der Schmerz in meiner Brust wich einem leichten Kribbeln. Ich spürte eine Hand auf mir. Mutter. Ihr Gesicht erschien mir zunächst verschwommen, als ich die Augen wieder einmal aufschlug. Sie wirkte erschöpft. Mich ins Leben zurückzurufen muss sie einiges an Kraft gekostet haben. Ich starrte sie an. Aber diesmal erwiderte sie den Blick. „LASS ES!“ Diesmal war sie es, die mich anherrschte. Ich gab nach. Irgendwann wandte sie sich meinem Bein zu. Ich fühlte wieder dieses Kribbeln. Und ich mochte es nicht. Aber ich fügte mich, gleichwohl ich wusste, was mir gerade genommen werden sollte. Umso grösser war die Erleichterung, als sie irgendwann erschöpft zusammenbrach.  
Vater blickte mich kurz an, bevor er sie nach draussen brachte. Sein Blick war seltsam. Voller Wahrheit. Er hatte verstanden. Ich wusste es.  
Kurz darauf kam er wieder herein. Ohne mich eines Blickes zu würdigen legte er seinen Dolch auf den Tisch in der anderen Ecke des Raumes und verschwand wieder. Er hatte noch nicht einmal mein Blut abgewaschen. Er wusste, was ich wollte. Ob man es ihm vorwerfen oder anrechnen soll – ich weiss es nicht. Ich schleppte mich hinüber, ergriff die Waffe. Und sank zuerst einmal zu Boden. Mein Bein schmerzte nicht mehr, aber es war schwach. Aber das kümmerte mich nicht mehr.  
Die Spitze des Dolches durchdrang mein Hemd, ritzte sich in Haut und Fleisch. Weiter kam sie nicht. Ich konnte es nicht. Wieder setzte ich an. Und wieder versagte ich. Der Zorn, der in mir aufstieg, wich nach weiteren vergeblichen Versuchen einem Gefühl der Taubheit. Ich sank zusammen.  
 
Ich fühlte nichts.  
Und es fühlte sich gut an.  
 
Noch einmal versuchte ich es. Wieder scheiterte ich. Aber es war egal. Ich wusste, dass es mir nicht gelingen sollte. Noch nicht.  
 
Ich richtete mich wieder auf. Warf mir einen Mantel über, zog mir ein paar Stiefel an und verliess das Haus. Mutter schien mich bemerkt zu haben, rief mir nach „Nastassya! Was bei allen Zwölfen...“ – „Vergiss Zwölfe!“ entgegnete ich kalt.  
Hatte ich das wirklich gesagt? Es passte eigentlich nicht zu mir. Aber es hatte Wahrheit in sich. Was sind schon die Zwölfe? Ehre existierte nicht, wie ich schmerzlich feststellen dufte. Hesinde und Tsa hatten sich gegen mich verschworen und wollten, dass ich lebe. Boron verwehrte mir bereits zweimal den Eintritt in seine Hallen. Und Praios? Was interessierte mich Gerechtigkeit, wenn ich Wahrheit wollte.  
 
Ich ignorierte meine Mutter. Streunte durch das nächtliche Vinsalt. Vorbei an den Häusern und Tavernen, über den jetzt verlassenen Marktplatz, der Akadamie, durch die Villenviertel, vorbei an all den Salons, die ich nie mochte, und die mich nun regelrecht anekelten mit all der Verlogenheit und Heuchelei, die darin zur Schau gestellt wurden. Ich übergab mich. Ein Gardist rempelte mich an, wies mich an, zu verschwinden. Erst als ich ihn anblickte, schien er mich zu erkennen. „Oh, die Frau Camalares. Es tut mir leid, man erkennt Euch fast nicht...“ Er blickte mich etwas verlegen an. Ich sah an mir herab. Ich musste erbärmlich aussehen, nur mit einem Mantel bekleidet. Ich fuhr mir durchs Gesicht. Es fühlte sich aufgequollen an.  
Sein Angebot, mich nach Hause zu bringen, lehnte ich ab. Er überredete mich schliesslich, wenigstens nach Ende seines Dienstes zur Wache mitzukommen. Die Fragen nach meinem Wohlergehen beantwortete ich mit einem „Jaja, den Umständen entsprechend, eigentlich recht gut.“. Ich wusste selbst nicht, warum ich das tat. Es widerte mich an. ICH widerte mich an. Warum sagte ich soetwas? Entsprach es nicht dem, was ich immer verabscheute?  
„Eigentlich...“ wollte ich ansetzen, diese Lüge, die ich eben aussprach, zu revidieren. In diesem Moment brach ich zusammen. Mein linkes Bein gab mir keinen Halt mehr. Es schmerzte. Wieder spürte ich, dass ich lebte. Ein Stück Wahrheit, das Mutter mir trotz ihrer Versuche, mir zu helfen –so dachte sie zumindest- nicht nehmen konnte. Der Gardist wollte mir aufhelfen. Aber ich winkte ab, wies ihn an, weiterzugehen. Er zuckte mit den Schultern, tat aber schliesslich wie ihm geheissen. Ich stand selbst auf, trotz aller Schmerzen. Schleppte mich weiter durch die Stadt. Kam am Haus des Rondrigo di Tessilamajes vorbei. Es brannte noch Licht. Ich blieb stehen.  
Wie lange ich dort stand – ich weiss es nicht. Dass er mich bemerkte, wurde mir erst bewusst, als sich die Tür öffnete und ich seine Stimme hörte. „Nastassya? Bist du es?“ Ohne zu antworten ging ich auf ihn zu. Seine Umarmung, die Begrüssung und die Fragen nach meinem Wohlergehen prallten an mir ab. Ebenso wie der Gestank nach Alkohol, der von ihm ausging. Es interessierte mich nicht. Warum ich ihm nach Drinnen folgte, wusste ich nicht. Ich setzte mich. Er starrte mich zunächst besorgt an. Dann fing er an zu reden. Über sich, über mich, über meinen Unfall. Über den Trubel, den all das auslöste, über seine Absetzung als Lehrmeister wegen unserer Sache, über Vestissya, die all das ans Tageslicht brachte.  
 
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A Dragon
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Re: FanFics
« Antworten #48 am: 12.08.03 um 18:14:27 »
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Vestissya. Ihr Name liess mich erstmals aufhorchen. Während er weiterredete, wichen der anfängliche Zorn und die Sucht nach Rache. Und machten dem Unverständnis Platz. Sie hatte mich zu dem gemacht, was ich in diesem Moment war. Und dennnoch war es mir egal. Ich konnte es ertragen. Aber verstehen konnte ich es nicht. Ich kam ins Grübeln. Und bemerkte nicht, wie er seine wahren Gefühle mir gegenüber offenbarte. Es war unwichtig. Das einzige, was mich noch beschäftige, war eine Frage: Warum? Alles andere schien in dem Moment bedeutungslos. Dass er langsam den Tränen nahe war, ignorierte ich. Es war bedeutungslos. ALLES war bedeutungslos. Nur eines nicht. Die Frage nach der Wahrheit. Neid konnte vieles aus einem Menschen machen. Das lernte ich in all den Jahren, die ich in dieser Stadt lebte. Aber ging es soweit? Was steckte wirklich dahinter? Woher dieser Hass?  
Während ich nachdachte, spürte ich den Griff Rondrigos. Ich blickte ihn an. „Hörst du mir überhaupt zu?“ – „Nein“ entgegnete ich. Wozu auch? Dass ich für ihn mehr war, als nur eine Affäre, dass seine Gefühle für mich ihn seine Stellung kosteten und dass er dennoch nichts bereute, dass er sich um mich sorgte und alles für mich tun würde, all das war bedeutungslos. Ebenso wie Tatsache, dass er sich , getrieben von Suff und Verzweiflung, ein Messer an die Kehle setzte, in der sinnlosen Hoffnung, es würde meine Aufmerksamkeit erregen. Erst als sein lebloser Körper zu Boden fiel, bemerkte ich ihn wieder. Es kümmerte mich nicht. Andere Dinge waren wichtiger. Mein Tod. Ich wusste, dass ich ihn erst finden würde, wenn ich etwas anderes gefunden hätte: Wahrheit.  
 
Ich ging. Und wieder spürte ich den Schmerz in meinem Bein. Ein Stück Wahrheit.
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